Für das kommende verländerte Wochenende sind drei herrliche, sonnige Tage angekündigt. Anfang Oktober. Der Herbst ist jung, prachtvoll und bunt. Wer bei diesen Umständen zu Hause bleibt, dem ist nicht mehr zu helfen, oder es muss so sein.
Und was machen wir? Kurz nach 4 Uhr klingelt der Wecker. Der schon früher wachgewordene Kater freut sich auf meine Gesellschaft, hat aber einen Verdacht. Aus der Erfahrung: Die fürs Wochenende Zuhause bleibende Mila schläft lange, aber definitive nicht diesmal. Schnell die Bikes ins Auto und los nach Leopoldstal, wo wir uns mit dem Mipmip verabredet haben um den Hermannsweg zu fahren…
…Der Sonnenaufgang von der Autobahn war unvergesslich. Langsam aber sicher kommt das Lich von Osten, Nebel schwebt über Wiesen und entschärft die Konturen der Landschaft…
…Im Jahre 9 n. Chr. wurden im Teutoburger Wald in der Varusschlacht drei römische Legionen von Germanen vernichtet. Weiter nach Norden gingen die Römer nicht. Eine Niederlage, die ein Schluss gemacht hat die rechtsrheinischen Gebiete zur einer Provinz des Römischen Reiches zu machen. Der Führer der Germanen war ein Fürst der Cherusker, sein germanischer Name ist unbekannt, die antiken Quellen nennen ihn “Arminius” oder “Hermann der Cherusker”. Die Quellen berichten, er sei ein eingebürgerter Römer gewesen und habe im römischen Militär eine Karriere als Berufsoffizier gemacht. Bei der Varusschlacht war er 26 Jahre alt…
Die Geschichte von der Niederlage des Römischen Reiches in den tiefen Wäldern der Germanen hat mich fasziniert, diesen Hermannsweg wollte ich fahren und die Geschichte auf mich wirken lassen.
Kurz vor 9 Uhr warten wir auf einem Parkplatz in Leopoldstal auf Marcel.
Der kommt und der Ausflug beginnt.
Am Bahnhof war der Hinweis “H” deutlich zu sehen. So wie nach der ersten Abbiegung nach links immer noch. Dann ging es hoch Richtung eines Friedhofes. Doch davor mussten wir noch mal die Tune-Kurbel bei meinem und Marcels-Bike nachziehen, so wie seine Shimano XTR Pedale. Wanderwege sind auf der Topo-Deutschland-Karte meines Garmin Oregon 550T als ein rote punktierte Linie angezeigt, so sollte es kein Problem sein, den Hermannsweg nachzufahren, besonders weil er mit einem großen “H” markiert ist.

Auf einem Aussichtsturm quäle ich die Teilnehmer mit der Geschichte: “Von dahinten kamen die Römer…”

Die allerletzten warmen Herbsttage und Panoramablicke, die man noch mit Sommerbekleidung geniessen kann. Mildwarm und buntherbstlich…
Irgendwann war kein “H” für “Hermannsweg” mehr zu sehen. Die Teilnehmer stellten Fragen, die ich mit großer Überzeugung beantwortete, der HW sei relativ neu, den gebe es erst seit kurzem. Die beiden glaubten mir und lachten mich nicht aus. Zuhause musste ich mich schämen, als ich herausgegoogelt habe, der Weg wurde “im Jahr 1902, gut 25 Jahre nach der Fertigstellung des Hermannsdenkmals, eingerichtet”.

So mitkam es durch einen Zufall, dass wir uns nach meiner falschen Abbiegung hinter dem Freidhof, auf dem Egge-Weg befunden haben. Das sei nicht schlimm, meinte MIpmip, den Hermannsweg könne man sowieso wegen der zahlreichen Wanderer schlecht fahren.
Wir waren Glückspilze, wir hatten steile, wurzelige Rampen nur für uns allein. Weil von Wanderern gab es nicht viel zu sehen. Der Kammweg über das Egge-Gebirge war menschenleer. Auch Verpflegungsmöglichkeiten gab es keine, kein Kuchen, keine Pommes, keine Cola und kein Bier. In Marsberg, am Ende des Weges gab es wieder alles. Prost! Auf den Guide, bzw. die Guide, die die Richtung absolut und total verfehlt hat! 
Am nächsten Tag, gut ausgeschlafen und gefrühstückt, fahren wir mit dem Zug zurück zum Ausgangspunkt, also nach Leopoldstal um diesmal alles richtig zu machen. Hermannsweg, wir kommen! Hoffe ich doch…
Während der Reise unterhält man sich und seine Nächsten mit allen möglichen Mitteln: man mach ein wenig Gymnastik…
…man liest was zu finden ist…
…man macht noch ein weinig Gymnastik…
…man trinkt Kaffee aus einer Schüssel und gönnt sich ein Eis…
Diesmal machen wir wirklich alles richtig, wir biegen nach rechts und folgen dem großen “H”. Der Weg ist schon sehr anspruchsvoll, schön, dass wir uns gestern warm gemacht haben, es geht nur rauf und runter, es gibt sowohl steinige Trails vom feinsten als auch Panoramablicke, Menschen, Kinder und Hunde. Zahlreiche Verpflegungsmöglichkeiten werden von uns ignoriert, ausgestattet mit den im Hotel selbstgeschmierten Brötchen haben wir keinen Kummer, zu verhunger. Es ist so geil, alles loszulassen und mit den Trails zu spielen, die Kamera bleibt fast die ganze Zeit unberührt in der Tasche, aber nicht bei den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal… 
…Kurz vor 17 Uhr nach ca. 40 km und ca. 1000 Hm sind wir am Bahnhof in Oelinghausen auf dem “versteckten” Gleis B.
Freude: unser Zug kommt bald!
Auf dem “verstecken” Gleis B gibt es keinen außer uns. Wirklich niemand. Die Frage lautet, ob der Zug hier auch wirklich anhält?

Die viertel Stunde Ungewissheit, ob der Zug auf dem “versteckten” Gleis B anhält, macht uns ein wenig nervös, da helfen nur abschliessende sportliche Experimente…
